Landeskunde der TOSKANA |
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Die Toskana das Ziel unserer Abschlussfahrt. Diese mittelitalienische Region mit einem Satz treffend zu beschreiben würde wohl nicht nur mir als eine unlösbare Aufgabe erscheinen.
Kaum eine andere Region Italiens kann so viele verschiedene Gesichter aufweisen wie die Toskana. Denn sie wird nicht nur von der hierzulande sehr bekannten Hügellandschaft in verschwimmenden Pastellfarben mit ihren markanten Zypressenreihen und steinernen Bauernhäusern geprägt, nein, die Toskana bietet weit mehr als das, wie auch unsere Kursteilnehmer teilweise überrascht feststellen mussten.
Aber bevor ich Ihnen diese Vielfalt der Toskana etwas näher bringe, möchte ich hier erst einmal einige Grunddaten der Region, die Ihnen zu einem besseren Verständnis und einem kompakteren Gesamtbild verhelfen sollen vorstellen.
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Die "Regione Toscana" ist mit einer Ausdehnung von 23000 km² halb so groß wie die Schweiz und fünftgrößte der zwanzig Verwaltungsregionen Italiens. Sie erstreckt sich vom Kamm des Toskanischen Apennin im Norden bis an die Grenze der vulkanischen Tufflandschaften Latiums im Süden und vom Tyrrhenischen Meer bis zum Oberlauf des Tiber im Osten. Rund 6.5% aller Italiener, das sind etwa 3,7 Millionen Menschen, leben in dieser Region, die ihrerseits in zehn voneinander unabhängigen Provinzen aufgeteilt ist: Massa Carrara, Lucca, Pistoia und Prato im Norden, Florenz und Arezzo im östlichen Teil (auf der Übersichtskarte grün eingezeichnet), im Westen die Provinzen Pisa und Livorno, in der zentralen Toskana Siena (roter Bereich in der Karte) und schließlich die flächenmäßig größte Provinz, Grosseto, die auch die Insel Elba mit einschließt, im Süden der Region. |
Die Bevölkerung ist sehr ungleichmäßig über die Provinzen verteilt: Über 80% aller Toskaner leben in den dicht besiedelten Küstenräumen und Großstadtregionen im Norden der Region (Florenz, Prato, Pistoia, Lucca, Pisa, Livorno), die nur etwa 20% der Gesamtfläche in Anspruch nehmen. In dem großflächigen Gebirgs- und Hügelland der südlichen Toskana (Provinzen Siena und Grosseto) und in den an die Apenninen grenzenden Gebieten ist die Bevölkerungsdichte dagegen sehr gering. Diese ungleichmäßige Verteilung der Bevölkerung ist auf einen deutlichen Wandel in der Erwerbsstruktur der Toskaner in den letzten beiden Dekaden zurückzuführen. Während der Anteil der Erwerbstätigen in Landwirtschaft und Industrie immer noch rückläufig ist, verzeichnet der tertiäre Sektor rasante Zuwachsraten. Diese Entwicklung ist vor allem anhand der noch immer andauernden Land- und Gebirgsflucht zu begründen, welche zum einen durch investitionshemmende Strukturen, schlechte Ernten und schwer zu bestellende Ländereien in der Landwirtschaft und zum anderen durch die erzwungene Stillegungen aus Rentabilitätsgründen vieler, in der ganzen Region verteilter, industrieller Klein- und Mittelbetriebe ausgelöst wurde. Hinzu kamen noch die, durch den aufkommenden Tourismus entstandenen verlockenden Arbeitsplatzangebote in den Städten und Urlaubszentren der Küste, was letztendlich zu der Verschiebung der Bevölkerung in der Toskana vom Land in die städtischen Ballungszentren geführt hat.
Heute ist das Fremdenverkehrsgewerbe eines der Hauptstandbeine der toskanischen Wirtschaft, die genau wie die toskanischen Landschaftsformen auch von Vielseitigkeit geprägt ist. Anziehungspunkte für den Tourismus sind vor allem die historischen Städte Florenz, Pisa, Siena und Lucca, welche auch wir auf unserer Fahrt bis auf Lucca alle zu Gesicht bekamen, und die Seebäder und Badeorte, der Versilia-Küste und der toskanischen Inseln.
Zu einem weiteren Hauptstandbein sind mittlerweile auch Teile der Landwirtschaft in der Toskana geworden, da es durch die Auflösung alter Art und die Aufgabe vieler Klein- und Nebenerwerbsbetriebe zur Bildung moderner Mittel- bis Großbetriebe mit starker Spezialisierung kam. Hauptanbauprodukte sind Getreide, Zuckerrüben, Oliven und Wein, wobei toskanischer Wein inzwischen wieder zu den besten der Welt zählt. Namen wie z.B. Brunello di Motalcino oder Vernaccia di San Gimignano stehen für die Wiederauferstehung von Qualität und ökologischer Kultur. Hauptanbaugebiet des Weins ist das markante Chianti- Hügelland zwischen Florenz und Siena. Obst, Gemüse und Sonnenblumen werden in kleineren Mengen angebaut.
Auch der Bereich des produzierenden Gewerbes besitzt in der Toskana heute zum Teil einen hohen Stellenwert. Während der Bergbau als auch die Erzverhüttung aus, von mir schon genannten Gründen, weitgehend eingestellt wurde, konnten die Marmorbrüche bei Carrara und Massa in den Apuanischen Alpen im Norden der Region dagegen ihre Spitzenstellung in der Welt hinsichtlich Qualität und Produktionsvolumen behaupten. Auch die geothermische Energie der Colline Metallifere wird indessen zunehmend genutzt und bei Larderello in einem großen Kraftwerk verstromt. Dieses Kraftwerk sollte sich kein Geographie-Interessierter entgehen lassen. So war das Kraftwerk auch auf unseren Besichtigungstouren ein wesentlicher Bestandteil. Hierüber finden Sie übrigens mehr Informationen auf der Startseite unseres Toskanaberichtes. Weiter ist auch noch die Textil- und Bekleidungsindustrie der Toskana zu nennen, die das Zentrum dieses Industriezweiges in Italien darstellt.
Die Toskana liegt im Randbereich des eigentlichen Mittelmeerklimas. Typisch für dieses mediterrane Klima sind trocken-heiße Sommer und feucht-milde Winter. Regionale Unterschiede entstehen durch unterschiedliche Höhenlagen und den Gegensatz zwischen Küste und Landesinnerem. Während in den Höhen über tausend Meter, wie in den Apuanischen Alpen und im hohen Apennin niederschlagsreiche Winter vorherrschen, die die Gipfel mit einer geschlossenen Schneedecke überziehen, ist es im Hügelland und an der Küste bei ca. 12° C milder und freundlicher. Im Sommer sind die regionalen Unterschiede nicht so gravierend, außer den durch die Höhendifferenz zustande kommenden Temperaturunterschiede.
Die Flora und Fauna der Toskana verfügt über eine ungeheure Artenvielfalt. Über 40000 Tierarten aller systematischen Stämme besiedeln die unterschiedlichsten Lebensräume der Region, von den alpinen Gebirgshängen bis in die Tiefen des Tyrrhenischen Meeres. Dazu zählt auch die Schlangenart der Aspis-Viper die, wie auch einige aus unserem Kurs höchst interessant berichten können (siehe "Survivaltipps") zu einer der gefährlichsten Schlangensorten überhaupt gehört. Ihr Biss ist für den Menschen gefährlicher als der einer Kreuzotter!
So, nun wissen Sie das Nötigste über die "Regione Toscana" und können sich selbst ein Bild von ihr machen. Um dies aber wirklich tun zu können möchte ich Ihnen noch, wie von mir zu Anfang des Berichts versprochen, die unbegreifliche landschaftliche Vielfalt etwas näher erläutern. Diese Vielfalt beinhaltet eine unbeschreibliche landschaftliche Schönheit, die andernorts nur sehr schwer zu finden ist. Dies wird wohl kein einziger unserer Kursteilnehmer und bestimmt auch niemand, der schon jemals in der Toskana unterwegs war bestreiten können. Die Toskana umfasst alpine Gebirgsregionen ebenso wie sanft gewellte Hügellandschaften, weite Ebenen und abwechslungsreiche Küsten. So kann man sie landschaftlich gesehen grob in vier grundverschiedene Gebiete einteilen, die für jeden Typ von Urlauber etwas zu bieten hat und somit ein ideales Reiseziel für jedermann darstellt.
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Der Norden ist geprägt von dem weit nach Osten auslaufenden Gebirgsbogen des Apennin mit den Apuanischen Alpen, die als Geologisches Fenster (oberste Signatur in der Legende) die übereinandergeschobenen Gesteinsschichten durchbrechen und somit tiefer gelegene Materialien an die Oberfläche bringen. In diesem Teil der Toskana, mit seinen schroffen, an Hochgebirge erinnernden Felsformationen, die teilweise bis zu 2000 m in die Höhe ragen, wird auch der weltberühmte, schon von den Römern genutzte weiße Marmor abgebaut. Auch wir haben Teile dieses dünn besiedelten Gebietes an einem unserer Exkursionstage angefahren und ich bin der Meinung, dass es sich vor allem auf Grund des starken Kontrastes dieser Teilregion gegenüber allen anderen Gebiete der Toskana lohnt, den nördlichen Teil mit den Apuanischen Alpen, die zu jeder Jahreszeit aus der Ferne schneebedeckt erscheinen, in eine Reise mit einzuplanen. |
Eine weitere wesentliche Landschaftsform bilden die sich an Apennin und Apuanische Alpen anschließenden Beckenlandschaften, welche Teile der nördlichen und mittleren Toskana prägen. Sie sind das Ergebnis tektonischer Brüche aus der geologischen Ära der Faltung und Heraushebung der Apenninen im Tertiär. Ursprünglich waren sie mit Seen gefüllt (s. Schaubild rechts), deren Sedimente heute die Beckenböden bilden. Heute werden diese Becken durch den 241 km langen Arno und kleinere Flüsse zum Ligurischen Meer nach Osten hin entwässert. Wir konnten diese Landschaftsform nur bedingt kennenlernen, da zum einen große Flächen mit Industriebauten bedeckt sind und zum anderen wir diese Landschaft nur im Vorbeifahren erlebten. Außer einigen schönen und unbedingt zu besichtigenden Städten, wie beispielsweise Florenz, lohnt es sich nicht, zu viel Zeit für diese Teilregion zu opfern. |
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Zu dem markantesten und hierzulande auch bekanntesten Landschaftsbild der Toskana zählt das südlich vom Arno gelegene Toskanische Hügelland. Es entstand in der jungtertiären Zeit und ist heute durch ein inselartig gegliedertes, abwechslungsreiches, durch Bodenerosion rasch sich änderndes Relief aus einzelnen Bergen und sanft geschwungenen Hügeln gekennzeichnet. Landschaftlich einmalige, durch Erosion entstandene Formen, wie die der Balze bei Volterra oder der eindrucksvollen sienesischen Crete, eine karge, fast unwirklich erscheinende hügelige Mondlandschaft mit einzelnen Gehöften und Zypressen südlich von Siena gelegen, sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Sehenswert sind auf jeden Fall auch die Städte Siena oder auch der mittelalterlich wirkende Ort San Gimignano, der oftmals als "Manhattan der Toskana" bezeichnet wird, wegen der Geschlechtertürme aus dem 13. Jhd., deren Skyline man schon von weitem erkennen kann. Oft wird man in diesem Landstrich auch den Eindruck bekommen, diverse Landschaftsbilder schon einmal auf irgendeiner Postkarte gesehen zu haben. Unser Quartier in Castelfalfi lag inmitten dieser einmaligen Landschaft, so dass wir Tag täglich mit ihr konfrontiert wurden. All denen, die ihr Lager in einer anderen toskanischen Region aufschlagen, kann ich nur raten, sich genügend Zeit für einen ausgiebigen Ausflug in diesen malerischen Landstrich zu nehmen.
Als letzte Landschaftseinheit ist die Küstenebene zu nennen. Wieder einmal spiegelt sich hier die Vielseitigkeit der toskanischen Landschaft wieder, da sich auch dieses Gebiet grundlegend von den anderen unterscheidet. Im Norden ist sie als schmale Ebene, der Versilia, vor den Gebirgszügen ausgebildet. Sie zieht mit ihren weiten Sandstränden alljährlich Tausende von Touristen an. Weiter südlich, in der Provinz Grosseto gelegen, breitet sich die Küstenebene unter dem Namen Maremma aus. Diese ehemals versumpften und malariaverseuchten Niederungen sind heute, nach der Ausrottung der Anophelesmücke als Krankheitsüberträgerin und der Trockenlegung der Sümpfe durch flaches Land mit großen Naturparks und schönen Stränden geprägt. Diese Region der Toskana eignet sich besonders gut für Badeurlauber und Sonnenanbeter. Ansonsten ist sie allerdings meiner Meinung nach nicht unbedingt eine Reise wert, ausgenommen Städte wie Pisa und Livorno.
Als Fazit kann man sagen, dass die "Regione Toscana" von ihrer ungeheuren Vielfalt geprägt ist, durch welche sie immer wieder in ein anderes Licht gerückt werden kann. Ich hoffe, dass ich Ihnen diese einmalige Region Italiens in diesem Sinne etwas näher bringen konnte, so dass vielleicht auch Sie Ihren nächsten Urlaub dort verbringen werden. Bei Anfragen stehe ich Ihnen unter meiner eMail-Adresse (einfach auf das Symbol unten klicken!) gerne zur Verfügung.